Einen wunderschönen guten Morgen, wobei es ist gleich 10. Also Vormittag. Die Kleine schläft seit 2 Minuten. Ich hoffe gut und zumindest 30-60 Minuten. Die braucht sie …

Der Große ist im Tennis Camp. Körperliche Bewegung momentan sehr wichtig. Der Mann im Büro. Ich im Jogger, aber schon geduscht, getönt, erstmalig seit Wochen, am Schreibtisch, vorm Laptop … schreibend.

In 5 Tagen ist der erste Schultag. Der erste Schultag EVER für ein paar Kinder, der erste Schultag – ordentlicher hoffentlich – seit dem Corona Lockdown. Es ist ein Tag den viele schon lange herbeisehnen. Ein Tag der immer noch mit sehr gemischten Gefühlen ansteht.

Wie geht es weiter? Wie wird es sein? Was wird passieren? Worauf müssen wir achten? Uns gefasst machen? Was wird anders sein? Wie wird sich das Leben wieder einfügen? Anfühlen? Ihr seht, Fragen über Fragen und ich denke ich bin nicht alleine mit diesen Fragen …

Was ich Euch aber sagen kann, erzählen will … wie es uns, mir so geht. Was die letzten Wochen so passiert ist. Was wir so erlebt haben … wie es Gefühlstechnisch im Hause Rueling so aussieht.

Ich falle, wie meistens, mit der Tür gleich ins Haus.

Ich kann nicht mehr. Ich bin körperlich, aber vorallem emotional am Ende.

Ich kann jedoch – Gott sei Dank – sagen, es ist diesmal keine Episode meiner Depression. Aber ich bin müde. Erschöpft. Ausgelaugt und brauche wahrscheinlich mehr als eine Delphin Therapie. Und das ziehe ich hier absolut nicht ins lächerliche.

Wasser ist mein Wohlfühlelement. Auch Regen. Aber da bin ich dann am liebsten in einer dicken Decke eingemummelt auf der Couch.

Aber kommen wir zum wesentlichen. Zum Punkt. Zum Ursprung meiner Erschöpfung.

Ich bin seit über 6 Monaten durchgehend mit meinen Kindern zu Hause.

Ich glaube mehr muss ich gar nicht mehr sagen. Will ich aber. Nicht als Rechtfertigung. Sondern damit auch ich, in ein paar Jahren diese Zeilen lesen kann. Mich erinnern kann dass wir es dann doch geschafft haben. Das alles wieder gut geworden ist. Versuche mich so über Wasser zu halten und die letzten Energie Reserven rauszuholen.

Corona war schon ein starkes Stück. Ist es ja nach wie vor, aber das Leben geht halbwegs normal weiter. Zumindest momentan und das auch schon seit ein paar Wochen. Wir hatten das Glück das alle Summer Camps die wir für unseren Sohn gebucht, bezahlt hatten, auch tatsächlich statt gefunden haben. Und so hatte ich zumindest ein paar Tage, ein paar Wochen an denen ich tagsüber zumindest “nur 1 Kind” zu Hause hatte.

Es war aber auch einfach unfassbar viel los. Der Umzug Ende April. Sehr stressig. Sehr anstrengend. Zeit und auch Kostenintensiv. Die Putzfrau die uns schon Mitte 2019 aus gesundheitlichen Gründen verlasse musste, ich mit meiner “Risikoschwangerschaft” und meinem sehr ungeplanten Notkaiserschnitt dann da stand … ohne Haushaltshilfe … der Mann der viel arbeiten musste. Wie die meisten Selbstständigen einfach … ich viel alleine war.

Somit habe ich seit über einem Jahr keine Putzfrau mehr. Schopfe Haushalt, Kinder… alleine. Keine Sorge, dafür erwarte ich mich weder Ansehen oder einen Applaus. Aber ich gebe zu, ich hatte es mir nicht ganz so anstrengend vorgestellt.

Da wir eben dann im Mai in eine wesentlich größere Wohnung, die klarerweise auch um einiges teuerer ist als unsere alte Wohnung, gezogen sind, habe ich beschlossen, um Geld zu sparen, auch so lange ich in Karenz bin – und das ist noch bis nächsten September, keine neue Putzfrau zu engagieren. Abgesehen davon, wer weiß denn wie es mit Corona weiter geht …

Aus mehr oder weniger dem selben Grund haben wir dann – aus Kostengründen und Unsicherheit bzgl. Corona, den Italien Urlaub storniert und es uns immer wieder auf unserer Terrasse sehr gemütlich gemacht. War dann aber trotzdem nicht wirklich Erholung. Auch kein Urlaub.

Der Mann hatte 2 Wochen Urlaub. Die hat er aber auch viel von zu Hause aus gearbeitet. Mir den einen oder anderen Vormittag geschenkt, damit ich auch mal alleine “zum Hofer” oder TK Maxi fahren kann … aber auch diese kurz Pausen versprechen keine langanhaltende Erholung oder echte Regenerierung…

Wir haben seit über 10 Monaten keinen Abend ohne zumindest eines unserer Kinder gehabt.

Somit auch seit über 10 Monaten keine Nacht durchgeschlafen. Selbst wenn die Kleine schon 3 Nächte insgesamt geschafft hat … war der Große bei uns oder wir bei ihm, mussten selber mal Pipi in der Nacht … usw.

Dazu kommt, dass durch das viele zusammen sein. Das ständige an einander picken, der Große eine wahnsinnige Eifersucht entwickelt hat. Gefühlsausbrüche in diverse Richtung hatte und nach wie vor hat. Laut und aufmüpfig ist, sehr Pre-Teen Behaviour an den Tag legt und so leider wenig zu einer positiven Stimmung zu Hause beiträgt.

Jeder Versuch von mir, Quality Time einzurichten, wird entweder dankend abgelehnt, oder nicht wert geschätzt. Obwohl ich teilweise jede Ruhephase der Kleinen opfere um Brettspiele zu spielen, Kinderserien mit ihm anzuschauen … etc. bin ich die Böse. Nicht gut genug. Nicht lieb genug. Nicht cool genug.

Ausser Abends, wenn sie schläft. Dann sucht er aktiv meine Nähe. Will kuscheln, ganz nah bei mir sein. Wird wieder zahm und kindlich. So wie er vor ihrer Geburt war. Mein großes Baby. Das ist er nun nicht mehr. Er musste den Platz aufgeben, hergeben und vieles einstecken. Es ist nicht leicht. Das verstehe ich … trotzdem, ich gebe zu, hätte ich es mir, wahrscheinlich genau wegen des großen Altersunterschied, einfacher erwartet. Vorgestellt, erträumt …

Wie wir aber alle mit unseren Kindern lernen mussten… mit Kindern kommt es immer anders als gedacht oder eben geplant.

Also ja, ich bin MÜDE. Sehr, sehr müde. Ich sehne mich nach einem entspannten Abend zusammen mit dem Mann. Essen bestellen, oder auch Essen gehen. Keine Kinder zu Hause … ein guter Film. Eine lustige Serie. Intimität ohne Stress oder Babyphone … einfach mal wieder Paar sein. Einfach mal wieder man selber sein.

Meine Mami war und ist sie nach wie vor, bei meinem ersten Kind, eine unglaublich tolle Unterstützung. Er hat früh das erste Mal bei ihr übernachtete. Sie hat oft auf ihn aufgepasst, sie waren, sind ein super eingespieltes Team. Lieben sich heiß.

Gerne hätte ich unsere Kleine auch so früh wie ihn damals mal zum übernachten abgegeben. Damit wir uns alle daran gewöhnen können und auch die beiden ein super Team werden können … aber dann kam Corona. Dann lag mein Großvater im sterben. Es kam einfach alles zusammen. Meine Mami konnte nicht, durfte nicht, hatte keine Zeit.

Und so kam es, dass unsere 10 Monate alte Tochter keine Nacht woanders übernachtet hat und sich leider, teilweise nur von mir hinlegen lässt. Da ist es wie mit Sprachen. Je früher sie damit in Berührung kommen, um so einfacher lernen sie es! Und ja, Babies brauchen nun mal die Mamis. Aber die Mamis brauchen auch ihren Partner. Ihren Freiraum. Um dann wieder perfekt zu funktionieren. Um Kraft zu tanken. Um Energien wieder aufzufüllen …

Energie tanken. Das muss ich! Ich weiß nur noch nicht wie …

Aber der erste Schritt in ein bisschen Normalität ist eben der langersehnte erste Schultag nächste Woche. *Fingerscrossed* … und dann dass meine Mami mal bei uns übernachtet und der Mann und ich mal 1-2 Nächte weg kommen. Auf uns schauen. Miteinander sein können.

Und zu guter Letzt,… werde ich mir, um die Beziehung zu Lucian wieder ins Reine zu bringen, professionelle Hilfe holen. Bzw. hab ich schon einen Termin bei einer ganz tollen Kinder-Jugend-Psychologin die mir eine von Euch ans Herz gelegt hat! Ich bin sehr positiv und freue mich auf die Hilfe. Denn wir sind viel zu fest gefahren. Kommen aus unseren Mustern nicht mehr raus. Fallen immer wieder in die selben Reaktionen zurück. So kann und so soll es auch nicht weitergehen …

Mein Herz ist gebrochen und ich vermisse meinen Sohn. Die Zeit mit ihm. Das Team das wir waren. Wir sind nun mal jetzt zu viert. Aber es muss auch wieder zu zweit klappen. Und ich freue mich auf diesen Weg… den wir hoffentlich gemeinsam gehen können und werden. Freue mich auf die Hilfe und die Hand die uns wieder in dir richtige Richtung führen wird.

… so geht es mir. Aber nun ehrlich, wie geht es Euch?

HAPPY WEDNESDAY ,… T-4