JUST THE TWO OF US

Als ich Georg vor 19 Jahren kennen und dann lieben gelernt habe, hätte ich nie gedacht, dass man einen Menschen so lieben kann. Bedingungslos. Immer. Mit allem was dazu gehört.

Als unser Sohn dann 2012 auf die Welt kam, platzte mein Herz vor lauter Liebe. Es war eine Liebe die ich so noch nie erlebt hatte. Noch bedingungsloser. Noch intensiver. Noch realer. Außerirdisch irgendwie. Ganz speziell. Ganz besonders.

Unser Start als Mami-Sohn Team war sehr holprig. Sehr anstrengend und hart. Doch irgendwann kam ich endlich in meiner neuen Rolle als Mami an und wir wurden zu einem unfassbar tollen Team.

Wir sind uns bis heute immer wieder sehr ähnlich. Ähnlich sensibel. Ähnlich temperamentvoll. Ähnlich emotional. Haben Gefühls- und Wutausbrüche die nicht immer alle um uns verstehen oder nachvollziehen können. Aber wir geben auch extrem viel Liebe. Sind herzlich, für andere da und verstehen uns oft blind. Verstanden uns.

Denn seit unsere Tochter im Oktober auf die Welt kam – die mein Herz ums doppelte anschwellen ließ, die mir gezeigt hat, man kann noch mehr Liebe in sich tragen, für andere haben, sich teilen für seine Kinder … – hat mein Herz ein kleines Loch.

Denn da wo früher Lucian seinen Löwen Platz hatte, ist nun auch noch ein Löwenmädchen … und obwohl er, wir uns alle so sehr einen weiteren Menschen, ein weiteres Kind, ein Geschwister gewünscht haben, hat es uns entzweit. Ein bisschen zerrissen.

Heute,… ein Kind mehr in unseren 4 Wänden, in meinem Herzen, hetze ich zur Schule, oft mit weinendem oder auch mal brüllendem Kind das andere abholen. Manchmal gehe ich eine Stunde früher aus dem Haus, um Kind 2 zum Schlafen zu bewegen, damit sie, wenn ich Kind1 abhole, zu Hause dann ausgeschlafen und zufrieden ist. Ich zumindest die ein oder andere Minute habe, Kind1 beim Lesen zu zuhören. Ihm Aufmerksamkeit schenken, nach der er sich so sehnt. Jedoch nie etwas sagen würde, denn er hat ja Verständnis.

Die Tage sind nicht viel anders als früher. L. ist in der Schule. Oft bis 16 oder sogar bis 17 Uhr. Die Zeit danach die wir hatten war immer schon knapp, aber wir hatten sie ganz alleine für uns. Ich konnte ihm zuhören, wenn er mir nach der Schule etwas erzählte. Saß neben ihm, als er eventuelle Hausaufgaben noch zu Hause fertig machen musste und war jeden Tag ein bisschen stolzer, wenn er einen neuen Buchstaben gelernt hast, bzw. eine Zeile mehr als gestern lesen konnte … Wir kuschelten gemeinsam vor dem Fernseher, lachten über die selben Witze und planten immer Monate im Vorhinein Faschingskostüme und oder Geburtstagsparties …

Dafür “bestraft” er mich dann aber mit Abwesenheit. Geht viel lieber mit dem Papi schlafen. Sagt dann auch ganz offiziell, “wenn der Papi keine Zeit hat, gehe ich lieber alleine schlafen”. Denn er weiß, das Mami-Herz ist nun geschwollen. Und weint das Baby, kann zwar der Papi gehen und es auch beruhigen, besser ists aber oft, macht es die Mami.

Und so stehe ich dann da, kämpfe ganz stark mit den Tränen, mit meinen Gefühlen und Emotionen. Möchte schreien vor Wut. Vor Verzweiflung und auch Sehnsucht. Ich vermisse es neben ihm zu liegen. Seinen Wuschelkopf zu streicheln, ihn zu spüren und zu riechen. Gleichzeitig erfüllt es mich mit Liebe, wenn dieses kleine Mädchen, gepuckt, ganz selig in meinem Arm einschläft und ich ihr einen Gute Nacht Kuss auf ihre zarte Stirn gebe.

Freue mich ein bisschen Zeit für mich am Abend zu haben. Auch, wenn sie meistens nur sehr kurz ist …

Mami werden war schon so schwer. Mami sein, manchmal sogar mehr. ich schließe meine Augen und erinnere mich an meine Kindheit. Höre immer wieder den verzweifelten Satz meiner eigenen Mami … “ich kann mich nun mal nicht Zwei-teilen!” Dabei musste sie sich sogar Drei-teilen!

Viele Freunde, die sich bewusst für 2 Kinder entschieden, entschieden sich aus dem einfachen Grund “Zwei Arme, Zwei Ohren” … mehr schafft man doch nicht. Doch immer “nur” mit einem Ohr bei einem Kind zu sein? Ist das die Erfüllung? Habe ich es mir so vorgestellt? Kann man es sich denn jemals wirklich vorstellen?

Das liebe schlechte Gewissen. Hier ist es wieder. Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden? Was kann ich tun um für beide da zu sein. Voll und ganz da zu sein? Dann wenn sie mich brauchen? Ich kann es nicht. Zumindest nicht jetzt und wahrscheinlich nicht immer. Oder doch?

L. hatte 7 wunderbare Jahre, auch wenn ein paar Monate davon unter der dicken, dunklen Wolke meiner PPD waren, es waren tolle 7 Jahre. Einzigartig. Aufregend. Ereignisreich. Voller Liebe & Spaß. Alleine. Und ich hoffe sie kommt wieder. Alone time. Special Time. Mother-Son time die ich so unfassbar genossen habe.

Bis dahin, klammere ich mich an Samstag Vormittags-Einkaufstouren alleine mit ihm. Während wir gemeinsam zu Julian Le Play im Auto singen … ab und zu Hand haltend und uns zusammen über doofe Autofahrer ärgern. Und lachen.

Liebe O. – danke dass Du unser Leben vervollständigst, mir, uns gezeigt hast wie übervoll ein Herz sein kann. Wie aufregend ein Leben auch mit einem Mädi im Haus sein kann und noch werden wird … a Lot lies ahead of us. A lot will happen. Ich freue mich auf unsere gemeinsamen Abenteuer! Mother & Daughter.

Lieber L. – danke dass Du mich zur Mami gemacht hast, den Weg für Deine Schwester geebnet hast. Mich stärker, gefühlsvoller und mich zu dem Menschen gemacht hast, der ich heute bin. Wir hatten eine so unfassbar tolle Zeit zusammen die uns keiner nehmen kann! Und ich bin sicher, die werden wir wieder, anders, besser, intensiver haben. Bis dahin, danke für Dein Verständnis, dass nun jemand anderer mich dringender braucht, danke dass Du so ein entzückender Bruder und Sohn bist. Auch wenn wir uns nach wie vor immer wieder in die Haare kriegen. Ich lieben Dich unendlich viel und könnte nicht stolzer sein Deine Mami sein zu dürfen.

Auf ein neues Kapitel!

So. Das musste mal gesagt werden. Denn Mami von zwei Kindern ist aufregend. Wahnsinnig toll. Aber auch sehr anstrengend. Und für mich, emotional anstrengend am aller meisten.

HAPPY TUESDAY MAMIs