Es ist 9.41 Uhr. Ich habe mindestens schon 3x meine Nerven weggeschmissen und herumgeschrienen.  Ich bin geduscht. Dank meinem Mann, der mir netter Weise den Vortritt ließ. Habe Pickel. Haare wachsen endlich nach, sieht aber … naja, sagen wir mal “undufte” aus um nicht in der Früh schon mit Kraftausdrücken um mich zu werfen … der Tag ist ja noch lange … 

Die Nacht war mäßig. Kind2 hat zwar “relativ” gut geschlafen, jedoch stand Kind1 plötzlich bei uns im Zimmer und bat mich mit ihm mitzukommen. Bei ihm zu schlafen. GsD haben wir immer eine zweite Decke parat. Zu den Flaschis bin ich dann immer rüber gegangen. Mann und ich haben währenddessen Smalltalk geführt … fragt mich aber bitte nicht mehr was. War doch etwas betrunken gestern Abend beim Schlafen gehen. So ein großes Glas Amaretto Sour hats insich! 

Kind2 hat beschlossen seinen eh schon nicht existierenden Rythmus mal wieder ganz neu zu definieren. Vormittagsschlaf wird sowie so überbewertet. Jetzt liegt sie in ihrem Baby Gym neben mir und raunzt vor sich hin … kann nicht beurteilen ob sie müde, gelangweilt oder hungrig ist. Zufrieden ist sie auf alle Fälle mal nicht. 

Kind2 hat fast alle seine Arbeitsblätter in einem irren Tempo fertig gemacht. Er darf jetzt frei spielen. Nervt mich aber mit seinem Ball Geräusch von oben. Ich schreie. Erneut. Meine Brust fühlt sich an als ob ein Elefant auf ihr stehen würde und ich habe mittlerweile auch schon Husten. Ob es ein – ich hab mich verkühlt, oder ich habe Atemnot aufgrund der ganzen Situation ist, kann ich nicht sagen, angenehm ist es auf alle Fälle nicht. Werde es beobachten. 

Eigentlich wollte ich jetzt Fritatten machen, damit sie zu Mittag fertig sind. Eigentlich wollte ich den Salzteig machen, damit Kind1 und ich endlich “basteln” können. Habe ihn aber schon seelisch darauf vorbereitet, dass Oster Deko nur in den “zu uns in die Wohnung” passenden Farben bemalt werden darf. Sprich, Schwarz, Gold, Beige … vielleicht geht sich Grau noch aus. Habe aber versprochen, die für Nonno und Nonni darf er bunt anmalen! Ein bisschen Spaß muss sein!

Die Waschmaschine läuft – heute schon zum zweiten Mal. Ob ich den Wäscheständer in unserem Wohnzimmer je wieder wegräumen werde? Spätestens wenn wir dann übersiedeln … I guess. 

Das Wetter hält sich endlich mal in Grenzen da draußen. Ich hoffe es regnet heute noch! Dann muss ich nicht raus. Ja, ich weiß, viele von Euch haben gar keine Möglichkeit rauszugehen … ich bin aber ein November-Kind und Nachtschattengewächs, ich kann daher sehr gut Wochenlang zu Hause bleiben … ich vermisse die frische Luft null. Kind1 aber leider schon … der ist ja auch ein August Kind. Hoffe auf Kind2 diese Leidenschaft mit mir zu teilen. Als Oktober-Kind.

Kind2 steigert sein Raunzen in gequältes Weinen. Muss das Tagebuch schreiben unterbrechen. ich hoffe ich habe die Kraft diesen Tag zu überstehen. Mann ist ja wieder im Büro. Gott ich würde so gerne tauschen … 

Kind2 hat den Vormittag dazu genutzt um mal die Lungen zu stärken und hat gebrüllt. Die Zähne?, Poupse?, wer weiß. Es dürfte unangenehm sein. Für uns alle. Als ich sie dann schlußendlich doch zu zumindest 30 Minuten Schlaf überreden konnte, habe ich Gemüsesuppe gekocht, Palatschinken, bzw. Frittaten gemacht und gleichzeitig den Salzteig vorbereitet. 

Es wurden Hasen und Ostereier ausgestochen. Kind2 gesellte sich in der BabyBjörn Wippe zu uns. War immer noch nicht gut drauf und raunzte weiter vor sich hin. Mittagessen wurde aufgrund von – scheißegal wie spät es ist, wir haben jetzt Hunger also Essen wir jetzt – auf 11.30 Uhr vorverlegt. Muss sagen, habe ich mich mal wieder selbst übertroffen, war köstlich … Kind1 hat das bestätigt. 

Danach beschließe ich, der Tag ist schon lange genug. Ab auf die Couch vor die Glotze. Wir stöbern durch Netflix. Nichts. Amazon Prime. Ah “Willkommen im Wunderpark”. Den schauen wir an. Kind1 fühlt sich bemüßigt nun endlich ein Flaschi zu trinken. Halleluja. Der Film beginnt, kurz darauf sitzen Kind1 und ich heulend da. Warum diese Disney & Co Filme am Anfang immer so traurig sein müssen … 

Gehe in die Küche, stopfe mir 3 AfterEight gleichzeitig in den Mund. Wenigstens ist mein Gaumen erfrischt. Beim zurückgehen ins Wohnzimmer sehe ich im Augenwinkel den Amaretto stehen. “Ist es noch zu früh zum saufen?” … ein Blick auf die Handyuhr – 13.00 Uhr, “ich befürchte schon”…

Kind2 wirkt müde, ich beschließe den Film kurz zu unterbrechen und sie ins Bett zu bringen. Schlafengehen stand aber offensichtlich nicht auf ihrem Programm. Also wieder hinunter, ab auf die Spieldecke … nach dem Motto “wer nicht schlafen möchte, muss sich selbst beschäftigen!” 

Ich räume die nun 3. Waschmaschine ein und aus, in und aus dem Trockner. Hänge diverses auf und spanne ein Business Hemd auf Kai Uwe. Unser Hemdenbügel Teil. Und da alles bei uns einen Namen erhält, so auch dieses Teil. Darf ich vorstellen; Kai Uwe, unsere schwule Bügelhilfe. Er ist ein Traum. Etwas laut, plustert sich immer wieder etwas auf, aber ein Segen und nimmt mir extrem viel ab! 

Die Küche ist so angerammscht, dass kein Stückchen Arbeitsfläche mehr leer oder zu sehen ist, das heißt was in meiner Küche … also beschließe ich auch dieses Chaos noch zu bewältigen. Geschirrspüler ausräumen, einräumen, ein paar Dinge per Hand waschen. Kind2 ist mittlerweile selig und friedlich auf der Spieldecke eingepennt. Kind2 hat beschlossen oben zu spielen. Danke. Ein AfterEight geht noch. Ich werde mich nun auf die Couch setzen und die Stille genießen und einfach mal Nichts tun. 

Stille dauerte 10 Minuten an. Was hab ich hab ich mir auch erwartet? … Ich mache weiter Wäsche, der Nachbar läutet an um mir mein Amazon Paket Windeln mit Distanz in die Hände zu drücken. Wir tauschen ein paar Sätze zur momentanen Situation aus … er erklärt mir, es wird noch schlimmer, ich nicke, sage “wahrscheinlich” und schließe die Türe. Leichte Panik macht sich in mir breit. 

Mir war irgendwie seit letzter Woche bewusst, “ich könnte tatsächlich die nächsten 3, eventuell sogar 4 Wochen mit BEIDEN KINDERN zu Hause sein”… aber irgendwie wird es grad real und ich habe Schnapp-Atmung. 

Kind2 ist wieder wach. Kind1 und ich schauen den Film auf Amazon Prime endlich zu Ende. Der Mann verspricht dazwischen am Telefon er komme gegen 3 nach Hause. Als er 20 nach 16 Uhr die Tür aufsperrt rauche ich aus allen Löchern. Möchte ihm am liebsten die Bratpfanne über den Schädel ziehen. Aber er hat mehr O-Saft (wie un-TCM von mir) für meinen Amaretto Sour Konsum mitgebracht und Lindor Kugeln. Lasse meine imaginäre Bratpfanne wieder sinken. Schnaube trotzdem noch und räume endlich fertig auf. Kann in diesem Chaos und Saustall nicht mehr atmen. 

Kind2 ist seit einiger Zeit wieder quängelig … ich pucke sie, versuche sie im abgedunkelten Zimmer zum Schlafen zu bewegen. Keine Chance. Ich lege sie ins Gitterbett, reisse die Türe auf, stapfe im Fersengang die Treppe hinunter, vorbei an meinem Mann, “sie gehört ganz Dir!, ich kann und will heute nicht mehr!”. 

Er schafft es natürlich sie total gelassen in 5 Minuten in den Schlaf zu gehen während ich die Wäsche erneut wasche, sie mieft. OIDA. Danach breche ich in der Küche zusammen. Setzte mich mit meinem mittlerweile kaltgewordenem Café hin, blätter die Flugblätter aus dem Postkasten durch und beginnen zu weinen. 

Der Mann schaut mich bemitleidend an und entschuldigt sich, dass die ganze Last auf mir hängen bleibt. Ich schaue ihn an und sage ihm “das ist schon OK. Ich versuche nur gerade zu verarbeiten, dass ich wahrscheinlich die nächsten 3 oder auch 4 Wochen NIE alleine sein werde. NIE!” … er schaut mich entsetzt an und bietet an mal einen Nachmittag auf die Kinder zu schauen. Süß, aber wo soll ich hin? In die Duschkabine? 

Es ist echt deprimierend. Er darf – weil Anwalt – jeden Tag raus. Hat alleine-Zeit im Auto hin und wieder retour. Und dann auch noch den ganzen Tag im Büro … während ich zwischen Frittaten, Salzteig, Wäscheberge, Lurchversammlungen, zahnendem Baby und unterfordertem Pre-Teen wahrscheinlich demnächst meine Nerven wegschmeißen werde. 

After this Corona Thing, Im gonna need a fucking vacation. ALONE. 

Es ist 17. 10 Uhr. Ich denke ich beginne wieder zu trinken.